Die Phlegmone (Einschuss)

In diesem Beitrag möchten wir Ihnen die Problematik von einem "Einschuss" beim Pferd näherbringen. Sofern Sie nicht schon selbst Erfahrung mit einem Einschuss gemacht haben, werden Sie sicherlich schon davon gehört haben. Dabei handelt es sich nicht um eine Schussverletzung, welche ein Pferd erlitten hat, sondern um eine äusserst gefährliche, eitrige Entzündung. Diese kann die Unterhaut, das Bindegewebe sowie die Lymphgefässe innert kürzester Zeit befallen.

Der Einschuss wird auch Phlegmone oder Cellulitis genannt und ist in jedem Falle als Notfall anzusehen. Hervorgerufen wird ein Einschuss - nachstehend Phlegmone genannt - durch Eiterbakterien, welche durch eine freiliegende Wunde in den Körper eindringen und sich in den tiefer liegenden Hautschichten einnisten. Sobald sie das weiche Bindegewebe erreicht haben, breiten sie sich explosionsartig in der gesamten Extremität aus. Dabei bildet sich Eiter, welcher sogar durch die Oberfläche der Haut austreten kann.

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Interessanterweise ist in den meisten Fällen die Hinterhand eines Pferdes und nicht seine Vorhand von der schmerzhaften Schwellung betroffen. Eine Phlegmone kann jedoch an jedem Ort am Körper auftreten. Bitte beachten Sie, dass die Grösse der ursprünglichen Wunde keinen Einfluss auf den Schweregrad der Infektion hat.

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Dabei kommt es jedoch auf die Grösse und Tiefe des Entzündungsherdes an, wie lange die Infektion weiterbesteht oder sogar neu aufflammen kann. Entgegen einem Bluterguss (Oedem) ist die betroffene Hautregion angeschwollen, äusserst heiss und das Pferd signalisiert bei Berührung der betroffenen Stelle starke Anzeichen von Schmerzen. Bleiben Phlegmonen über längere Zeit unbehandelt, besteht die Gefahr einer Blutvergiftung. Erhebliche Gewebeschäden müssen als weitere Folge davon aufgezählt werden.

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Bei einer Phlegmone zeigt das Pferd unter Umständen folgende Symptome:

  • Hitzeentwicklung
  • Angeschwollene Lymphknoten
  • Schwellung der betroffenen Extremität
  • Schmerzhafte Anzeichen bei Berühung der betroffenen Region
  • Fieber
  • Eiter, welche durch die Haut austritt (im fortgeschrittenen Stadium)
  • Komisches Verhalten (Fressunlust, apathisches Herumstehen und so weiter)

Wie bereits erwähnt kann sich eine Phlegmone innert Stunden entwickeln und die Krankheitserreger können durch kleinste Wunden in den Körper eindringen. Stellen Sie bei Ihrem Pferd eine Verletzung fest, ist die Wunde unverzüglich zu reinigen und zu desinfizieren.

Ihr Tierarzt verabreicht in der Regel als Erstversorgung dem Pferd eine Kombination aus Antibiotika und Schmerzmittel. Kontrollieren Sie bis zu dessen Ankunft im Stall die Körpertemperatur des Pferdes. Ebenso sollten Sie prüfen, ob die letzte Tetanus-Schutzimpfung noch auf aktuellem Stand ist.

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Viele Tierärzte verwenden einen Angussverband (Feuchtverband) oder Verbände mit Heilerde. Legen Sie einen Stützverband nicht selbst an, sofern Sie dies zuvor noch nie gemacht haben, sondern ziehen Sie in diesem Falle eine Fachperson hinzu. Bei einem nicht richtig "montierten" Stützverband können Komplikationen wie Druckstellen, eine Unterbrechung der Blutzufuhr usw. auftreten.

Wir haben ausgezeichnete Erfahrungen mit einer von den Schloss-Apotheken in 3177 Laupen/BE auf Pferde abgestimmte Franzbranntweinsalbe gemacht. Die Rezeptur stammt noch von unseren Urgrossvätern aus dem 19. Jahrhundert.

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Dieses Gel wird grossflächig und dick auf das Bein aufgetragen und anschliessend über Nacht bandagiert. Die in der Lotion enthaltene sehr hohe Konzentration von Alkohol zieht die Hitze aus den betroffenen Hautteilen und regt die Durchblutung an.

Wird eine Phlegmone durch eine Mauke ausgelöst, muss auch die Behandlung dieses Uebels konsequent angegangen sprich behandelt werden.

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Eine Mauke stellt mit ihren zum Teil blutigen Verkrustungen, die ideale Eintrittspforte für Krankheitserreger jeder Art dar.

Wird der Tierarzt zur Behandlung einer Phlegmone sofort eingeschaltet kann in der Regel eine gute Prognose gestellt werden. Nochmals - entscheidend dabei ist der Zeitfaktor. Das betroffene Bein wird in den meisten Fällen in zwei bis drei Tagen wieder das herkömmliche Aussehen aufweisen, die Körpertemperatur normal und die Lahmheit verschwunden sein. Der guten Ordnung halber müssen wir jedoch auch erwähnen, dass längere und aufwändige Behandlungen bei einer Phlegmone keine Seltenheit sind. Die Tierspitäler können ein Lied von dieser heimtückischen Erkrankung singen. Nach erfolgreicher Rehabilitation sollte das Pferd - um die Durchblutung zu fördern - wieder vorsichtig gearbeitet werden.

 Wie kann einer Phlegmone vorgebeugt werden?

Wir können unsere Pferde nicht 24-Stunden vor Krankheiten und Verletzungen schützen. Mit einem entsprechenden Management kann gleichwohl das Risiko der Uebertragung einer Infektionskrankheit eingegrenzt werden:

  • Ueberprüfen Sie täglich Ihr Pferd gründlich um sicherzustellen, dass Sie neue Wunden sofort erkennen- und entsprechend handeln können.
  • Sollte sich Ihr Pferd verletzt haben ist sicherzustellen, dass oberflächliche Wunden, welche Anlass zur Sorge bezüglich einer Infektion geben, gründlich gereinigt und medizinisch versorgt werden. Verwenden Sie dazu entsprechende Desinfektionsmittel.
  • Achten Sie auf eine hygienische Umgebung Ihres Pferdes. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Stall mindestens zweimal täglich gereinigt wird. Kot und nasse Einstreu sind zu entfernen resp. zu ersetzen. Auch die Weide muss regelmässig abgemistet werden.
  • Halten Sie die Beine Ihres Pferdes so sauber und trocken wie möglich. Sind Extremitäten nach dem Training verschwitzt und erhitzt, ist das Reinigen und Abkühlen mit kaltem Wasser nicht verkehrt. Es empfiehlt sich nach der erfolgter Dusche die Beine zu trocknen - was jedoch nicht immer möglich ist...
  • Sofern Sie Ihr Pferd nicht in einem Freilaufstall halten, ist ein regelmässiges Trainignsprogramm welches die Durchblutung der Extremitäten und die Fitness fördert, auf jeden Fall nicht verkehrt und empfehlenswert.
  • Verringern Sie das Risiko der Uebertragung einer Infektion durch Fliegen, Kribbelmücken und so weiter, durch gezielte Bekämpfung der potenziellen Krankheitsüberträger sprich Insekten.

Wie bei jeder Infektion kann eine Phlegmone eine Reihe von Komplikationen haben. Mit einem guten Management können jedoch die negativen Auswirkungen begrenzt werden.